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Othello in Ottakring
ist der erste Akt des Theaterexperiments in progress Othello am Mexikoplatz.
Shakespeares Othello wird zerspielt, bis er in die psychischen Elemente der rassistischen Ressentiments zerfällt.
Bei SOHO IN OTTAKRING werden erste Zwischenergebnisse dieser Othelloanalyse präsentiert. Eine Diskussion mit den Mitwirkenden ermöglicht dem Publikum, auch Einblick in Arbeitsweisen und Diskussionsprozesse innerhalb des Ensembles zu gewinnen.
Idee, Konzept, Buch & Regie:Tina Leisch
Regie, Dramaturgie und Schauspieltraining: Ülkü Akbaba
Dramaturgische Beratung: Sidy Mamadou Wane
Bühnenbild und Kostüme: Gudrun Lenk-Wane
SchauspielerInnen: Karsten Rühl, Abate Dejene Ambachew, Grace Martha Latigo, Gudrun Lenk-Wane, Sidy Mamadou Wane, Pjotr Kuba Kubowicz, Ruby Diemberger, Frederic Loco, Hasan Kilic, Prince Johns, Petrina Roper, Alexander Peer, Anna Schoeppe, Mosco Ani
Regieassistenz: Andrea Zeidler
Mit schwarz angemaltem Antlitz mimen seit vier Jahrhunderten die Othellos einfühlsam den edlen Wilden, der zu Ruhm und Rang und Stand aufstieg um umso tiefer und dramatischer zurückfallen zu können in das bösartige rassistische Basisklischee vom schwarzen Mann als Verführer, Mißbraucher, Vergewaltiger, Mörder unschuldiger weißer Frauen.
Seit Juni 2004 diskutiert die Film-, Text- und Theaterarbeiterin Tina Leisch in einem Workshop mit KünstlerInnen und antirassistischen AktivistInnen über Shakespeares „Othello“. Der Text wurde gelesen, Teile daraus gespielt, in die Gegenwart versetzt, manipuliert, verschoben, verdreht, zerstört. Europäische und afrikanische Techniken von Schauspiel und Storytelling wurden experimentell erprobt sowie Screenings verschiedener filmischer Othelloversionen und Diskussionen über feministische Texte und Texte zur „Schwarzheit“ organisiert.
Diese Othellobearbeitung möchte beobachten wie Kapitäne von Sklavenschiffen und Fremdenpolizistinnen sich die Tränen aus den Augen wischen, ob der tragischen Geschichte. Möchte vorsichtig den Neid und Sexualneid obduzieren, der solche Bilder erfindet. Möchte Rächerinnen beleidigter schwarzer Männlichkeit engagieren um sie steinharte Textbrocken ins Publikum werfen zu lassen. Wird den Elektromagneten Stottern einschalten, der dafür sorgt, daß nicht länger die Wörter weiß-sauber-rein-unschuldig-gut-moralisch einerseits und böse-dreckig-verworfen-lasziv-schwarz-verderbt-und–ekelhaft sich wie die Magnethunde aneinander picken.
Condoleezza Rice setzt sich in Onkel Toms Schaukelstuhl und philosophiert über den Meindl-Mohr. Hinter verschlossenen Türen. Im Proberaum.
Durch einen langfristigen Prozess der Spiegelung weißer Bilder vom Schwarzsein und schwarzer Bilder vom Weißsein sollen imaginäre Wege in nichtrassistische Fernen entstehen. In diesem “Othello” ist keine/r, was er/sie auf den ersten Blick erscheint. Das Begehren der Menschen ist eigensinnig und querschlägerisch und passt nicht in die vielleicht sogar lieb gemeinten Kategorien wohlfahrtsfürsorgerischer Ausländerhätschelei, die sich sehr bald als Gestus entpuppt, mit dem einmal mehr die einen sich über die anderen erheben, weil sie sich insgeheim im Innersten ihrer Psyche unterlegen fühlen.
Was davon zu sehen sein wird ist: ein Jahr lang Halbgares. Unprätentiöses. Unfertiges.
Antirassismus ist Arbeit, Prozess, Versuch.
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